Im MedalRace der Weltmeisterschaft vor Perth ist dem deutschen Laser-Ass Simon Grotelüschen (Kiel) Gold, Silber und Bronze noch aus den Händen geglitten. Durch einen siebten Platz in einem wechselvollen Finale rutschte der 25-Jährige noch auf den vierten Platz zurück, hatte das Olympiaziel London 2012 aber schon vorher erreicht!
Gold holte sich der Australier Tom Slingsby vor dem Briten Nick Thompson und Andrew Murdoch (Neuseeland).
„Auf Sieg segeln“, lautete die Taktik von Grotelüschen vor dem MedalRace. Doch dieses Vorhaben wurde nach einem guten Start schnell durchkreuzt. In guter Position zur ersten Tonne geriet er zunächst an der Hafenmole in Bedrängnis und kurz darauf auf Backbordbug mit dem Österreicher Andreas Geritzer aneinander. Es kam zur Kollision, Geritzer bereinigte zwar, aber Grotelüschen verlor wichtige Meter und kam nur im dichten Feld um die Tonne. „Das war eine entscheidende Rennsituation und hat mich weit zurück geworfen“, berichtete Grotelüschen, nachdem er sich an Land von der ersten Enttäuschung erholt hatte. Im weiteren Verlauf des Rennens schien es dann besser zu laufen. Position um Position holte der Kieler auf, arbeitete sich bis auf Platz fünf vor und hätte damit seinen zweiten Platz verteidigt. Dann aber fiel er auf der letzten Kreuz bis auf Rang acht zurück, musste die direkten Konkurrenten um die Medaille passieren lassen. „Ich war auf der rechten Seite der Kreuz und habe Meter um Meter verloren, bis ich gemerkt habe, dass ich Kraut am Schwert hatte“, so Grotelüschen. „Es ist im MedalRace so viel passiert. Auch meinen Kompass habe ich noch aus der Halterung verloren, musste so komplett nach Gefühl segeln.“ Auch der letzte Angriff auf dem Down-Wind-Kurs verpuffte. Slingsby siegte schließlich unangefochten vor Thompson und Murdoch, die sich damit auch in dieser Reihenfolge die Medaillen aufteilten. „Nach dem Zieldurchgang war ich natürlich unglaublich enttäuscht. Aber nach und nach kommt die Freude. Es war eine fantastische WM. Hätte mir vorher jemand gesagt, ich würde auf Platz vier segeln, hätte ich das sofort genommen. Jetzt ist es schade, denn ich war so gut drauf, dass eine Medaille drin gewesen wäre. Vielleicht kommt das ja im nächsten Jahr.“ Auch DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner hatte auf dem Wasser intensiv mitgefiebert: „Es war ein unglaublich spannendes Finale, auch wenn die Situation mit Geritzer ärgerlich war. Aber Platz vier ist ein sensationelles Ergebnis und der Abschluss einer insgesamt starken Saison von Simon. Das lässt für 2012 hoffen.“
Damit bleibt es für die Deutschen bei einer Medaille durch den Silbergewinn von den Staren Robert Stanjek und Frithjof Kleen (Berlin).
In den anderen Disziplinen konnten sich die DSV-Akteure zwar nicht für ein MedalRace qualifizieren. Im Laufe der zwei WM – Wochen erfüllten aber die Surfer Moana Delle (Kiel), Toni Wilhelm (Dogern), Laser-Seglerin Franziska Goltz (Kiel), die 49er Tobias Schadewaldt / Hannes Baumann (Kiel) und die 470er Ferdinand Gerz / Patrick Follmann (München) und Kathrin Kadelbach / Friederike Belcher (Berlin) die Olympia-Kriterien und NadineStegenwalnerwar mit dem Gesamt-Auftritt ihrer Schützlinge zufrieden. „Die Surfer, 49er und 470er-Männer haben jeweils gut begonnen, es dann aber leider nicht zu Ende gebracht. Hier liegt noch einige Arbeit vor uns, aber wir können hoffen.“
Die Match-Race-Frauen um Silke Hahlbrock (Hamburg) hatten ebenfalls einen starken Beginn, kamen dann in der WM-Zwischenrunde überhaupt nicht mehr zurecht und verpassten vorerst Olympia. Sie haben vor Miami Anfang 2012 die zweite Chance zur Qualifikation. „Hier ist eine schnelle Entscheidung gefordert, wie wir vorgehen wollen“, so Stegenwalner. Bei den Finn-Seglern, denen ein ganzes Stück zur internationalen Spitze fehlt, soll im Januar diskutiert werden, wie der weitere Fahrplan ist. Möglicherweise wird es einen Neuaufbau mit Blick auf 2016 geben.
Mitte Januar wird dann der Olympia-Segel-Ausschuss (OSA) tagen, der aufgrund der Ergebnisse von den Worldcups in Weymouth, Kiel und der WM die Athleten für Olympia dem DSV-Präsidium vorschlägt, das wiederum dem DOSB meldet. Die Nominierung für Weymouth 2012 erfolgt letztlich durch den DOSB.
Auf der OSA-Tagung wird wohl auch noch mal die 470er-Ausscheidung der Frauen auf der Tagesordnung stehen. Nur durch ein „Match-Race“ in Perth, durch das Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher (Berlin) ihre nationalen Konkurrentinnen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) nach hinten segelten, konnten sie selbst die Nominierungs-Kriterien erfüllen. „Das hätten wir uns natürlich anders gewünscht. Die anderen Disziplinen haben gezeigt, dass es anders gehen kann und man trotz des internen Wettkampfes eine gute WM segeln kann“, so Stegenwalner.
Vielen Dank an Ralf Abratis.



