Perth/Australien. Am Tag, als bei der Weltmeisterschaft der olympischen Segeldisziplinen die Medaillen ausgesegelt wurden, waren die deutschen Akteure nur noch Zuschauer. Zu einer Top-Ten-Platzierung und damit der Teilnahme an den Medal-Races reichte es nicht. Immerhin erfüllten drei Crews in den vier Klassen die Nominierungs-Kriterien für Olympia.
Große Emotionen gab es bei den Briten, die einmal mehr die dominierende Segel-Nation waren. Allerdings mussten sie auch einen mächtigen Tiefschlag verkraften. Ihr Superstar Ben Ainslie ließ sich bei der Titeljagd im Finn völlig vom Kurs abbringen. Als Gesamtführender fühlte er sich im neunten Rennen von einem Fotografenboot derart bedrängt, dass er nach dem Zieldurchgang den Motorbootfahrer tätlich angriff. Die Jury disqualifizierte ihn daraufhin für zwei Rennen. Ainslie entschuldigte sich, zeigte sich über die Jury-Entscheidung aber enttäuscht. Für ihn blieb nur Platz elf, in die Bresche sprangen seine britischen Kollegen Giles Scott und Ed Wright, die Gold und Bronze holten.
Die weiteren Titel gingen an die Israelin Lee Korzits (Surfen), das holländische Kraftpaket Marit Bouwmeester (Laser Radial) und Matthew Belcher/Malcom Page aus Australien im 470er. Vielleicht war gerade letzteres ein gutes Omen für die Deutschen in der zweiten Woche. Denn Belchers Ehefrau Friederike geht mit Steuerfrau Kathrin Kadelbach (Berlin) ab heute in die Titelkämpfe im 470er.
Wenigstens etwas Grund zum Jubeln hatten zwei Kielerinnen. Surferin Moana Delle und Laser-Seglerin Franziska Goltz erfüllten die Quali-Kriterien für Olympia. Während Franziska Goltz als 39. allerdings weit von einem Wunschergebnis entfernt war und sich sogar der nationalen Konkurrentin Lisa Fasselt (Rostock) geschlagen geben musste, hatte Moana Delle als 14. die Top-Ten zumindest im Blick. „Hier wollte das einfach nicht klappen. Aber die Olympia-Qualifikation ist geschafft, und darüber bin ich froh. Ich werde jetzt noch ein bisschen in Australien bleiben und entspannen, bevor es zum Weihnachtsfest in die Heimat geht. Und nächstes Jahr wird weiter hart trainiert“, so Goltz, die bei den Worldcups genug Punkte für die Qualifikation gesammelt hatte. Deutlich besser lief es bei Moana Delle, die in allen drei Qualifikationen (Weymouth, Kiel und Perth) gepunktet hatte und damit souverän die Olympia-Kriterien erfüllte. „Ich habe das noch gar nicht verarbeitet, bin aber sehr glücklich. Es ist mein Traum zu den Spielen zu fahren und dem komme ich näher. Aber es dauert noch etwas, bis mir das bewusst ist“, sagte die 22-Jährige.
Das gilt auch für die 470er-Männer Ferdinand Gerz/Patrick Follmann (München), die als WM-15. gerade so genug Punkt sammelten, um die Anforderungen des DOSB für 2012 zu erfüllen. Nicht olympiareif sind dagegen die deutschen Finn-Segler mit Jan Kurfeld (Wismar) als bestem auf Platz 34, und auch für die Match-Racerinnen um Silke Hahlbrock (Hamburg) rücken die Spiele nach sechs Niederlagen in sieben Rennen der Hoffnungsrunde in weite Ferne.
Hoffnungen auf bessere deutsche Platzierungen in der zweiten WM-Hälfte machten die Stare Robert Stanjek/Frithjof Kleen (Berlin) und Johannes Babendererde/Timo Jacobs (Lübeck/Kiel), die nach zwei Rennen auf den Plätzen zwei und fünf liegen. Ab heute steigen dann die verbliebenen vier Disziplinen (49er, 470er-Frauen, Surfen-Männer, Laser-Männer) in das Geschehen ein.
Text von Ralf Abratis



